In unserem Coworking Space im Bahnhof Bern schaffen wir Raum für konzentriertes Arbeiten, Austausch und persönliche Entwicklung. Das tun wir nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für uns selbst. Ein Tool, das wir dafür nutzen, ist der Listening Walk.
Wir haben diese Methode bereits früher in einem Insight aus unserem Blick hinter die Kulissen erwähnt. Sie gefällt uns so sehr, dass wir unserer Erfahrung mit dem Listening Walk einen ganzen Insight widmen möchten. Er stammt aus der Methodenwelt von 9 Spaces und passt wunderbar zu unserer Haltung von Achtsamkeit und Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Zuhören lernen als Teil moderner Arbeitskultur
Ein Listening Walk ist ein Spaziergang zu zweit. Eine Person bringt eine konkrete Fragestellung mit und spricht darüber, während die andere zuhört, ohne zu kommentieren, zu bewerten oder einzugreifen. Zeitlich vorgegebene Phasen des Sprechens wechseln sich mit bewusstem Schweigen ab. Es gibt keine Diskussion, keinen Smalltalk und keinen unmittelbaren Lösungsdruck.
Gerade im Arbeitsalltag, der oft von Meetings, E-Mails und schnellen Reaktionen geprägt ist, wirkt dieses Format zunächst ungewohnt. Irene schildert unsere ersten Erfahrungen sehr treffend: «Das gemeinsame Spazieren im Schweigen hatte fast etwas Unangenehmes.» Schweigen ist im beruflichen Kontext kaum vorgesehen – besonders in einer Umgebung, in der Kommunikation als Kompetenz gilt.
Wir nutzen den Listening Walk, um über Fragen zum Unternehmen, zum Team, zu uns selbst und unserer Arbeit zu sprechen. Was beschäftigt dich gerade? Was würde deiner Meinung nach dem Team helfen? Was ist dir im letzten Halbjahr gelungen und was nicht? Wo wünschst du dir mehr Unterstützung, und wo siehst du dich im Team? Es ist wie eine Art Jahresgespräch, jedoch ohne Ziele, Tabellen oder Wertung.
Vom Unbehagen zur Qualität im Zuhören
Nach ein, zwei Listening Walks veränderte sich dieses Gefühl deutlich. Der Rahmen wurde vertrauter, das Gehen zu zweit fühlte sich natürlicher an, und auch das freie Zuhören fiel leichter. Irene beschreibt, wie sich dadurch gegenseitiges Vertrauen aufbaut und vertieft. Dieses Vertrauen ist nicht laut oder spektakulär, sondern ruhig, tragend und nachhaltig.
Mit etwas Übung in Geduld und Ruhe ist es uns gelungen, bewusst Zeit dafür zu investieren und die Qualität dieser Gespräche zu erkennen und zu geniessen. Gerade in einer selbstorganisierten Teamstruktur ohne Hierarchie ist diese Form des Austauschs besonders wertvoll.
Auch die Kombination aus Bewegung und Denken wirkt sich spürbar auf die Qualität der Gespräche aus. Tanja empfindet das Laufen statt Sitzen als angenehme Abwechslung zum klassischen Arbeitsalltag. Statt sich in oberflächlichem Austausch zu verlieren, entsteht eine intensive Auseinandersetzung mit einer konkreten Frage. Es fällt leichter, Gedanken Raum zu geben. Am besten gelingt dies in der Natur, wo ruhige Orte Klarheit fördern.
Nicht kommunizieren dürfen und genau deshalb lernen
Was Thomas besonders spannend findet, ist der Teil des Listening Walks, der sich mit dem bewussten Nicht‑Kommunizieren beschäftigt. Nicht zu kommentieren, nicht zu werten und nicht einzugreifen fordert heraus. Gerade im Arbeitsalltag sind wir darauf trainiert, schnell zu reagieren, Lösungen anzubieten oder Gedanken einzuordnen.
Für Michael liegt genau darin eine befreiende Qualität. Da während eines Listening Walks keine verbale Reaktion erwartet wird, kann er sich ganz auf sein Gegenüber konzentrieren. Diese klare Regel hilft ihm, eigene Meinungen und Vorurteile beiseitezulegen und mit weniger innerem Widerstand zuzuhören. Das Zuhören wird präsenter, offener und weniger von inneren Reaktionen überlagert.
Im Listening Walk hören wir zu, ohne Agenda, und lassen Pausen zu, ohne sie füllen zu wollen. Diese Erfahrung trainiert eine Fähigkeit, die weit über den Spaziergang hinaus wirkt. Auch im Alltag lernen wir dadurch, zuzuhören, ohne sofort zu kommentieren oder zu bewerten. Das verändert Gespräche im Team, mit Gästen und oft auch den Blick auf sich selbst.
Selbsterkenntnis statt Effizienzdenken
Der Listening Walk ist kein klassisches Effizienz‑Tool. Er produziert keine To‑do‑Listen und keine sofortigen Entscheidungen. Dafür schafft er etwas anderes: Selbstreflexion, Vertrauen und Tiefe. Wie Tanja es formuliert, lernt man sich bei jedem Walk ein kleines Stück besser kennen.
Diese Qualität passt gut zu zentroom. Als Coworking Space direkt im Bahnhof Bern verbinden wir professionelle Arbeitsbedingungen mit einer Kultur des Miteinanders. Menschen kommen wegen der zentralen Lage, der Ruhe und der Qualität und bleiben wegen der Atmosphäre.
Der Listening Walk ist ein Beispiel dafür, wie Arbeit auch aussehen kann: ruhig, fokussiert und menschlich.
